Buchempfehlung

In diesem Jahr wurden, wie üblich, diverse runde Jubiläen gefeiert, wobei die 100 Jahre Bauhaus wohl das herausragende war. Aus dem Wust an Büchern, die zu diesem Anlass erschienen, habe ich diverse gelesen (und jede Menge Dokus im Fernsehen angeschaut). Dabei ist mir klar geworden, dass die Emanzipation am Bauhaus wohl doch noch nicht so überzeugend war, wie ich immer gedacht hatte. Da in diesem Jahr auch das Frauenwahlrecht 100 Jahre alt wurde, war es naheliegend, die Themen „Bauhaus“ und „Emanzipation“ zu kombinieren.

Das geschieht in dem Buch, das ich Ihnen empfehle:

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank. DuMont 2018

Es erzählt das Leben der Ilse Frank, die, aus jüdisch-großbürgerlicher Familie stammend, 1923 die zweite Frau (nach Alma Mahler-Werfel) von Walter Gropius wird. Zwar keine Künstlerin im klassischen Sinn, ist sie doch maßgeblich am Erfolg des Bauhauses beteiligt.

Die gelernte Buchhändlerin und Rezensentin kann schreiben und trägt durch ihre Artikel zur Verbreitung der Bauhaus-Idee bei. Außerdem ist sie das, was wir heute als Netzwerkerin bezeichnen: Sie kennt die richtigen Leute und setzt ihre Beziehungen zum Wohl des Bauhauses ein.

Einer ihrer letzten Geniestreiche ist ein Dokumentarfilm, in dem sie selbst -mit Dienstmädchen- die neuesten technischen Errungenschaften zum Wohle der emanzipierten Frau vorführt.

(Wer sich den Film im Internet ansehen möchte: Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich? Teil 3: Neues Wohnen. Das Haus von Prof. Gropius. Hrsg: Bauhaus-Archiv)

Das Ende ist bekannt. Das Bauhaus wird 1933 geschlossen und 1996 Weltkulturerbe. Das Ehepaar Gropius geht in die USA, Ise stirbt 1983.

Dorothee Merzhäuser

Oktober 2019